Bei der Überlegung, wie eine möglichst artgerechte Katzenhaltung aussehen kann, muss natürlich in Betracht gezogen werden, wie die Katze in der Natur lebt, welche Bedürfnisse sie hat und wie der Katzenhalter ihr nicht erfüllbare Dinge am besten nachbilden kann.

Eine gute Lektüre zu diesem Thema ist das Buch "Katzenseele" von Paul Leyhausen (Professor für Verhaltensforschung, der sich über Jahrzehnte mit dem Wesen und Sozialverhalten von Katzen beschäftigt hat) und dessen Titel ich hier übernommen habe.

Anregungen aus diesem Buch, sowie anderen Büchern und vor allem natürlich die selbst gewonnene Erfahrung, möchte ich hier darstellen.

Es gibt in diesem Feld bestimmt mehr als eine Wahrheit. Deshalb möchte ich, daß der Leser sich bitte bewußt ist, daß dies MEINE und nicht zwingend allgemeingültige Ansichten sind.

Auch ich gehe z.B. nicht mit allem konform, was in Paul Leyhausens Buch beschrieben ist. Trotzdem war gerade dieses Buch eine wertvolle und hilfreiche Anregung für mich.

Katzen sind Beutetierjäger, haben ein Revier, das sie regelmäßig durchstreifen und sich teilweise auch mit anderen Katzen teilen, so daß Rangordnungs- und Revierkämpfe genauso Teil ihrer Natur sind, wie natürlich die Fortpflanzung.

Diese Kurzzusammenfassung des Wesens Katze sollte man bei Überlegungen der Katzenhaltung immer im Gedächtnis behalten.

Eine der ersten Fragen, die sich bei der Katzenhaltung stellt, ist die Frage: Freigang oder nicht?

Lucina´s Chilly Charlize

Wenn die Katze Freigang bekommt, brauche ich als Katzenhalter vermutlich nicht mehr viel weiter überlegen, denn dann wird die Katze draußen alle ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können und vorwiegend zum Fressen und Ausruhen nach hause kommen.

Gerade diese Frage ist aber unter Katzenliebhabern wohl einer der umstrittensten Fragen.

Ich habe in meinem Leben lange Jahre freilaufende Katzen gehalten und es war für mich damals die einzig artgerechte Haltung. Katzen, die nur in der Wohnung leben, habe ich bemitleidet.

Über die Jahre hatte ich einige Freigänger-Katzen, die meist aus dem Tierheim oder "vom Bauernhof" kamen. Tatsache ist, daß es nur einen Kater unter diesen Katzen gab, der länger als drei Jahre (dieser Kater wurde 8 Jahre, bevor er an einem Virus verstarb) mein Leben geteilt hat. Alle anderen waren vorher verschwunden oder tot, wobei das `verschwunden´ wesentlich häufiger der Fall war. Ich wohnte übrigens zu dieser Zeit auf dem Land und meine Katzen waren grundsätzlich kastriert und geimpft, womit ich einige Risiken ja schon mal minimiert hatte.

Trotzdem entspricht die Statistik in Deutschland leider meinen Erfahrungen, denn statistisch lebt die Katze mit ungesichertem Freigang zwei Jahre. Sehr wenig für Katzen, die ja eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren und auch mehr haben. Ich höre förmlich die Freigänger-Fraktion rufen "aber meine Katze läuft frei und ist schon vier, fünf, sechs..."

Ja, natürlich, es gibt immer wieder Katzen, die dieses Glück haben - Gott sei Dank !!! Es ist aber einfach eine Tatsache, dass der Schnitt eben bei zwei Jahren liegt.

Die Gefahren, die auf eine freilaufende Katze lauern, sind sehr vielfältig. Allem voran steht natürlich das Überfahren-Werden und wie oft sieht man totgefahrene Katzen am Straßenrand liegen?

Dann sind nicht selten Rattengift, bzw. vergiftete Mäuse und Ratten oder ähnliche (des öfteren auch vom katzenhassenden Nachbarn stammende) "Fallen" das Todesurteil für die Freigänger-Katze.

Dann gibt es in den ländlichen Regionen noch die Jäger, denen auch nicht selten eine Katze zu Opfer fällt und nicht zuletzt sind leider nach wie vor Tierfänger unterwegs, was ich für das schlimmste Schicksal halte, das einer Katze widerfahren kann. Neben den "echten" Tierfängern gibt es übrigens eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, die eine zutrauliche Katze einfach mitnehmen, weil sie ihnen gefällt und sie fortan als ihr eigen betrachten. Auch das ist mir mit einer sehr hübschen Schildpatt-Katze passiert. Nun gut, da ich es herausgefunden habe (leider nur DASS, da es beobachtet worden ist, nicht aber WER), wußte ich hier zumindest, daß die Katze vermutlich nicht das schlechteste Los getroffen hat. Wieder bekommen habe ich sie natürlich nicht.

Trotz aller Gefahren kann man natürlich auf dem Standpunkt stehen, daß nur der Freilauf für die Katze artgerecht ist und der Standpunkt entbehrt auch nicht ausreichender Argumente.

Lucina´s Daybreak

Sicherlich sollte man eine Katze, die den Freilauf kennt und gewöhnt ist, nicht mehr in einer Wohnung oder im Haus einsperren, aber das wird auch nur in den seltensten Fällen gelingen, denn die meisten an Freilauf gewöhnten Katzen wehren sich heftigst gegen das Eingesperrt-Sein und spätestens, wenn sie anfangen, unsauber zu werden, wird das Unterfangen dann wohl aufgegeben.

Wie ist es aber nun mit Katzen, die nie Freilauf hatten? Inwieweit vermissen sie die Freiheit wirklich? Diese Frage ist natürlich schwierig zu beantworten, da wir die Katzen nicht einfach fragen können. Die meisten Wohnungskatzen, die ich kenne (und das sind Katzen, die eben nie Freigang kennengelernt haben) wirken sehr zufrieden und zeigen keinerlei Anstalten, umbedingt nach draußen zu wollen, sobald eine Tür aufsteht. Das trifft auch auf meine Katzen zu. Mein Kater Merlin ist mir auf dem Balkon mal entwischt, kam aber sehr schnell zurück und ließ sich sozusagen "gerne" wieder einsperren.

Ich möchte an dieser Stelle auch mal einen provokanten Vergleich anstellen:

Der Natur des Menschen entspricht es, täglich viele Kilometer zu Fuß zurückzulegen, um seine Nahrung zu sammeln und zu jagen, sowie intensive körperliche Betätigung an frischer Luft...usw."

Wieviele von uns tun das? Wie viele von uns laufen stattdessen täglich nur vom Haus zum Auto zum Büro und wieder zurück? Wie viele verbringen 80% der Zeit in geschlossenen Räumen, sind 8 Stunden täglich in Büros eingesperrt? Wie viele betätigen sich körperlich so gut wie gar nicht?

Lucina´s Feanor

Klar, damit sind auch die meisten Zivilisationskrankheiten verbunden, gegen die dann per Fitness-Studio (auch reichlich unnatürlich, oder?) angegangen wird. Natürlich hinkt der Vergleich auch deswegen, weil wir im Gegensatz zu den Katzen die Entscheidungsfreiheit haben, wie wir leben möchten und es uns frei steht, täglich einige Stunden in der Natur zu verbringen (welcher Berufstätige hat dafür Zeit?), an frischer Luft zu joggen oder was auch immer.

Tatsache ist aber, daß viele von uns sich sehr oft gegen ihre Natur entscheiden. Sind wir alle unglücklich damit?

Soweit dieser nur als Gedankenanregung gemeinte Vergleich.

Zurück zur Katze:

Auf jeden Fall muß man sich bei der Wohnungskatze schon ein bißchen mehr Gedanken machen, ihr in dem beschränkten Lebensumfeld eine möglichst artgerechte Umgebung zu schaffen.

Dazu gehört als erstes, daß die Wohnung nicht zu klein sein sollte. Ein Ein-Zimmer-Appartement ist als lebenslanges Domizil für eine Katze nicht geeignet. Zwei Zimmer sind wohl das absolute Minimum und je mehr, desto besser.

Nun erinnern wir uns an den Satz:

Katzen sind Beutetierjäger, haben ein Revier, das sie regelmäßig durchstreifen und sich teilweise auch mit anderen Katzen teilen, so daß Rangordnungs- und Revierkämpfe genauso Teil ihrer Natur sind, wie natürlich die Fortpflanzung.

Revier und Revierkämpfe:

Die freilaufende Katze hat ein Revier mit einem eingegrenztem "Heimgebiet" (Wohnung oder Haus) und einem Streifgebiet, das sie regelmäßig durchstreift und kontrolliert. Möchte man dieses innerhalb der Wohnung oder des Hauses nachbilden, würde die Konsequenz bedeuten, daß die Katze in einem Teil der Wohnung oder des Hauses lebt und zu einem anderen Teil nur zeitweise Zugang hat.

Damit ist nicht gemeint, Tabu-Zonen zu schaffen. Meist ist es auch leider so, daß das Platzangebot insgesamt gar nicht groß genug ist, um dies zu verwirklichen.

Shawnees Jack Daniels

Paul Leyhausen stellt in seinem Buch dar, daß er seinen Kater im Arbeitszimmer hält und ihm nur zeitweise Zugang zur ganzen Wohnung bietet. Davon halte ich nun absolut nichts und das Einsperren von einer Katze in einem Zimmer kann meiner Ansicht nach nur vorübergehend gerechtfertigt werden, da es doch eine sehr heftige Einschränkung der Bewegungsfreiheit ist. Da wäre es sinnvoller, es herumzudrehen in der Weise, daß es einen Raum gibt, zu dem die Katze nicht immer, aber regelmäßig Zugang hat.

Es ist in der Tat so, daß diese Haltungsform eine interessante Abwechslung in den Katzen-Alltag bringt, denn der nicht immer zugängliche Bereich bekommt natürlich etwas besonders Spannendes für die Katze.

Wenn es also möglich ist, den vorhandenen Raum so zu trennen, dass es Räumlichkeiten gibt, die die Katzen nicht immer, aber eben manchmal aufsuchen können, bietet das eine spannende Abwechslung. Was ich dabei beobachten konnte, war, daß die Katzen wirklich genau das Bild einer Katze boten, die ihr Revier durchstreift, intensiv damit beschäftigt, den "neuen" Teil des reviers ausgiebig zu kontrollieren, überall eifrig nach dem Rechten zu sehen und eine solche geschäftige Zielstrebigkeit konnte ich nie beobachten, wenn die Katzen immer Zugang zu allen Räumen hatten (obwohl sie auch dann regelmäßige Rundgänge machen, die aber nicht so zielstrebig wirken).

Lucina´s Fanyar Yana

Voraussetzung dafür, dass diese Haltungsform katzenfreundlich bleibt, ist zum einen, dass der Teil, in dem die Katze hauptsächlich lebt auch der Teil der Wohnung sein sollte, in dem ihr Besitzer hauptsächlich lebt, denn die Katze will bei ihrem Menschen sein und zum anderen, daß sie häufig genug den ausgiebigen Zugang zum "Streifgebiet" bekommt. Es sollen also keine Tabu-Zonen für die Katze geschaffen werden, sondern unterschiedliche Lebensbereiche.

Ganz ideal ist es natürlich, wenn alle Räume der Wohnung oder des Hauses für die Katze zugänglich sind und ein Außenbereich in Form eines Geheges geboten werden kann, aber diese Möglichkeit ist natürlich oft nicht gegeben. Diese Ausführungen sollen lediglich eine Anregung darstellen, nicht eine Bedingung für Katzenhaltung. Es ist auch in bescheideneren Formen möglich, eine Wohnungskatze zufrieden zu stellen, aber auch in der Drei-Zimmer-Wohnung kann ja ausprobiert werden, wie es ist, einen Raum als nicht immer zugängliches "Streifgebiet" zu deklarieren.

Ebenso sollte man sich vor Anschaffung der Katze klar machen, daß auch eine große Wohnung oder ein Haus nicht viel nützt, wenn es viele `Tabu-Zonen´ gibt, d.h. die Frage ist:

Können alle Bewohner damit leben, daß die Katze überall ist und dementsprechend z.B. überall ihre Haare verteilt, einen Kratzer auf einem Möbelstück hinterläßt oder auch mal etwas umwirft?

Diese Frage ist sehr wichtig, denn es ist grausam, wenn die Katze Stück für Stück ein Zimmer nach dem anderen verliert. Wer eine Katze halten möchte, sollte mit den "Folgen" leben können und wo Tiere sind, da sieht es eben auch nach Tieren aus. Katzenhaltung ohne Spuren gibt es nicht.

Von daher ist wohl auch die schicke Designer-Wohnung nicht umbedingt geeignet (zumal Katzen ein wenig Unordnung lieben und zu kahle Wohnungen, die keinerlei Verstecke oder "Eckchen" bieten, ihrer Natur völlig widersprechen), es sei denn die Besitzer können damit leben, der Katze zuliebe einige Zugeständnisse zu machen und zu lächeln, wenn auf dem schicken Designer-Möbel eine Kratzspur der letzten "wilden Jagd" verbleibt.

Heylee of Dark and Bright

Das soll nun auch nicht bedeuten, daß man Katzen nur halten kann, wenn man bereit ist, mit "Sperrmüll-Möbeln" oder im völligen Chaos zu leben. Dazu wäre ich auch nicht bereit, aber ein paar Zugeständnisse sind einfach nötig, z.B. hänge ich keine teuren Vorhänge auf, weil die Kitten eben einfach zuuuu gerne durch das Gewebe "Hasch-mich" spielen und nach zwei Jahren sieht der untere Teil der Vorhänge durch unzählige kleine Krallenhiebe eher aus wie ein Sieb, denn wie ein Vorhang. Auf Vorhänge verzichten möchte ich deswegen nicht, aber glücklicherweise gibt es ja nette Fertigvorhänge für ca. 20.- Euro und dann werden sie eben alle zwei Jahre ausgetauscht. (Übrigens ist das vorwiegend ein Kitten-Problem. Erwachsenen Katzen kann man ganz gut beibringen, daß sie die Vorhänge in Ruhe lassen, wenn sie es nicht sowieso von alleine tun).

Daß unsere Holz-Möbel durch diverse Kratzer verziert sind und die Katzen einige Zimmerpflanzen unschön "stutzen" oder sie auch mal komplett zerlegen, ist sowieso klar und die eine oder andere Deko-Idee scheitert auch an der Neugier oder Unternehmungslust der Pelznasen (denn beim Versuch, aus der Vase zu trinken, fällt diese eben meistens um und Deko-Kugeln liegen sowieso nur da, damit man damit spielt. Also kicken wir sie erst mal unter das Sofa).

Coonshags Zoe

Platz für mindestens einen Kratz- und Kletterbaum sollte es auf jeden Fall geben und je mehr geeignete Kratzstellen die Katze hat, um so weniger wird sie am Sofa oder anderen Möbeln kratzen. Das Kratzen ist im Übrigen nicht nur - wie fälschlicherweise oft behauptet - ein Schärfen der Krallen, sondern auch eine Markierung. Deswegen kann sich eine Katze auch nur schwer mit einer einzigen Stelle abfinden, an der sie kratzen darf. Aus dem gleichen Grund ist es auch nicht sinnvoll, den Kratzbaum in die hinterste Ecke der Wohnung zu stellen, denn die Katze will ihre Markierung an den "Laufwegen" setzen. Ein Kratzbaum, der weit weg von den täglichen Laufstrecken steht, kann dann leicht uninteressant sein, wo doch das Sofa so schön zentral steht.

Besonders geeignete und beliebte Kratzstellen sind übrigens meiner Erfahrung nach in das Zimmer ragende Ecken, die man leicht und preiswert mit einem Stück Sisalteppich bespannen kann. Auf diese Idee haben mich meine Katzen selbst gebracht, da sie im Flur zwei solcher Ecken als beliebte Kratzstellen auserkoren hatten und die Tapete dort natürlich nach einer Weile in Fetzen herunterhing. Diese Ecken haben wir mit je einem preiswerten Sisal-Reststück aus dem Teppichladen 180 cm hoch und 50 cm breit bespannt und unsere Wohnungstiger gehen dort seitdem mindestens einmal am Tag mit großem Vergnügen "die Wand hoch".

Belushies Lilo

Trotz Kletterbaum ist es unsinnig, der Katze verbieten zu wollen, auf Schränke oder Regale zu klettern, denn es ist nun mal ihre Natur von höher gelegenen Plätzen die Umgebung im Auge behalten zu wollen und wenn die Wohnung der Lebensraum der Katze sein soll, sollte sie das auch dürfen.

Trotzdem kann man natürlich an gewissen Stellen Einhalt gebieten und bei uns ist es auch absolut klar, daß eine Katze nichts auf dem Eßtisch zu suchen hat, genauso wie wir eine Tabu-Zone auf der Arbeitsplatte in der Küche haben und das kann man Katzen sehr wohl beibringen.

Ich halte es sogar für verkehrt, der Katze ALLES zu erlauben, denn es entspricht völlig ihrer Natur, dass eine ranghöhere Katze (wir) ihr bei bestimmten Tätigkeiten Einhalt gebietet oder sie von bestimmten Plätzen vertreibt. Bekommt sie nie ein "Nein" und lebt dann auch noch als Einzelkatze, wundern mich neurotische Verhaltensweisen nicht.

Beutetierjäger:

Katzen sind Jäger und das Jagen ist ein Instinkt und ein Trieb, den natürlich auch die Wohnungskatze hat.

Lucina´s Fanyar Yana

Erst dieser Trieb ist es ja, der Katzen so verspielt macht und uns so viel Vergnügen bereitet. Die Katze braucht das Spiel, um den angestauten Jagdtrieb abzureagieren. Das Spielen ist der Ersatz für die Jagd. Die einzelnen Antriebe sind dabei bei der Katze unabhängig, d.h. es gibt z.B. den Trieb, sich an ein Beutetier anzuschleichen und es dann mit einem Satz zu packen. Ist dieser Trieb bei der Katze gerade besonders gestaut, kann es sein, dass sie völlig unvermittelt irgend etwas - ein herumliegendes Spielzeug oder auch die Teppichkante - belauert, sich anschleicht und mit einem Satz drauf zuspringt, die Beute packt...und dann plötzlich wieder losläßt und sich einer ganz anderen Beschäftigung widmet. Es ging gerade auch nur darum, diesen einen Trieb abzureagieren.

Jeder der Katzen hat, kennt diese Szenen. Ein andermal hat die Katze das dringende Bedürfnis, das Beutetier mit der Pfote aus einem Loch zu angeln und da ihre Spielzeugmaus nicht von alleine flüchtet, schiebt die Katze sie eben erst mal in das Loch hinein (und es gibt Dutzende von Mauselöchern in Wohnungen - von "unter dem Teppich" über "in die Zeitung" bis hin zu "in den Schuh"), nur um sie danach auch wieder rauszuangeln.

Es ist nicht wirklich schwer, der Katze einen Ersatz für das Jagen zu bieten. Es reicht aber auch nicht, der Katze nur Spielsachen hinzulegen (zumal sie mit einfachen Papierknäulen, an Bindfäden gebundenen kleinen Gegenständen oder dem beliebten verhedderten Wollknäul (Achtung, dass sie sich nicht selbst stranguliert. Sollte nur unter Aufsicht gegeben werden!) meist genauso gern spielt, so daß es an sich nicht nötig ist, Geld für "Katzenspielzeug" auszugeben).

Auch die mittlerweile auf dem Markt befindlichen "Catch-Modelle", in denen ein Bällchen so im Spielzeug befestigt ist, dass die Katze es bewegen, aber nicht herausholen kann, sind nicht ausreichend. Nichts gegen solche Spielsachen. Die meisten Katzen spielen in der Tat sehr gerne damit, aber es sollte nicht das Spiel mit dem Menschen ersetzen.

Der geliebte Mensch am anderen Ende des Spielzeugs ist der Katze immer das liebste und bietet eben auch lebendige Bewegung, statt der doch stereotypen immer gleichen Bewegung der Catch-Modelle.

Und natürlich ist es auch einfach Zuwendung, die die Katze genießt. Eine wirklich lohnende Anschaffung an Katzenspielzeug sind diverse Katzen-Angeln (man kann sie natürlich auch aus einem Stock oder Stab, Bindfaden und einem Bällchen oder ähnlichem selber basteln), mit denen auch ein raumgreifenderes Spielen möglich ist, da die Angel den Arm eben je nach Größe um einen bis zu zwei Metern verlängert und man die Katze so durch den Raum "jagen" kann.

Beaverscove Miro

Beim Spielen sollte darauf geachtet werden, daß die Katze zwischendurch Erfolgserlebnisse hat, also den Gegenstand, dem sie hinterherjagt, auch mal fängt. Es ist zwar meistens so, daß Katzen so geschickt sind, daß sie ihn öfter fangen, als der Mensch es überhaupt möchte, aber bei einer sehr jungen noch tollpatschigen Katze oder einer älteren, nicht mehr so agilen sollte auf regelmäßigen Erfolg der Katze geachtet werden.

Ansonsten braucht man keine Angst zu haben, die Katze zu überfordern. Wenn sie genug hat - und wenn der Jagdtrieb ausreichend abreagiert ist - wird sie von alleine aufhören und sich abwenden. Da können wir dann mit dem Spielzeug herumwedeln, so viel wir wollen. Eine besondere Art des "Spiels" ist das Katzenclickern.

Mit dem Clickern wird die Katze nicht nur beschäftigt, sondern auch gefordert und geistig wach gehalten.

Clickern hier hinreichend darzustellen, würde den Rahmen sprengen. Deswegen beschränke ich mich darauf, das Prinzip deutlich zu machen (bei weiterem Interesse am Katzenclickern helfe ich mit Infos gerne weiter, einfach email schreiben oder anrufen).

Lucina´s Feysalla

Die Grundlage des Clickerns ist zunächst die klassische Konditionierung der Katze auf ein Geräusch, nämlich das "Click" des Clickers (ein Clicker ist im Grunde das Gleiche, wie die Knackfrösche, die man aus Kindertagen kennt. Man kann natürlich auch mit diesen Knackfröschen oder auch einem Zungenschnalzen clickern. Das Geräusch muß aber immer gleich sein).

Diese Konditionierung ist mit Hilfe von Leckerchen sehr einfach und funktioniert bei den meisten Katzen sehr schnell. Bewaffnet mit Leckerlies setze ich mich vor die Katze, gebe ihr ein Leckerlie und mache gleichzeitig "Click".

Die meisten Katzen haben nach sehr kurzer Zeit begriffen, daß "Click" heißt, es gibt ein Leckerlie und verbinden dieses "Click" mit Belohnung.

Die Konditionierung auf das Geräusch ist deswegen wichtig, weil im Verlauf der weiteren Übungen oft nicht die Möglichkeit besteht, der Katze sofort ein Leckerlie zu geben (z.B. weil die Übung daraus besteht, daß sie auf etwas rauf- oder runterspringen soll und wenn sie das tut, die Entfernung von der Hand mit Leckerlie zur Katze zu groß ist). Es ist aber absolut wichtig, daß die Belohnung in dem Moment erfolgt, in dem die Katze das gewünschte Verhalten zeigt und nicht einen Moment später.

Deshalb konditioniert man erst die Katze auf das `Click´ und später bei den Übungen macht es dann nichts, wenn sie das Leckerlie erst kurz danach bekommt, weil für sie das `Click´ schon die Belohnung ist.

Ist die Katze zuverlässig auf das `Click´ konditioniert, kann mit der ersten Übung begonnen werden, d.h. die Katze bekommt das Leckerlie nicht mehr einfach so, sondern erst wenn sie ein gewünschtes Verhalten zeigt.

Die ersten Übungen sollten natürlich sehr einfach sein und erst mit der Zeit können schwierigere Anforderungen gestellt werden.

Zum Beispiel kann die erste Übung so aussehen, daß ich einen Bleistift oder ähnliches in das Sichtfeld der Katze halte. Ziel der Übung ist, dass die Katze den Bleistift mit der Nase anstubst. Viele Katzen werden das aus Neugier sowieso sofort tun. Dann sofort `Click´ und Belohnung. Bei anderen Katzen mag es notwendig sein, erst mal das Nähern an den Bleistift zu belohnen, d.h. sobald die Katze eine Bewegung auf den Bleistift zu macht, `Click´ und Leckerlie.

Wichtig ist, dass die Katze etwas TUT. Auch hier wird es bei den meisten Katzen nicht lange dauern, bis sie kapiert haben, dass sie den Bleistift anstubsen sollen.

Lucina´s Krambambuli

Das Lustige beim Clickern ist, dass für die Katze die ganze Sache eigentlich anders herum aussieht. Sie "denkt" nämlich, dass sie uns manipuliert. "Wow, wenn ich den Bleistift anstubse, löse ich damit aus, dass Herrchen/Frauchen mir ein Leckerlie gibt. Das mache ich doch gleich noch mal". Im Verlauf von mehreren Clicker-Sessions kann ich damit ein Verhalten, das die Katze zufällig gerade zeigt, clickern, um daraus eine Übung zu machen.

Springt die Katze z.B. gerade auf einen Stuhl "Click" und Belohnung. Danach löse ich z.B. mit der bereits gelernten Übung "Anstubsen des Bleistifts" aus, dass die Katze wieder von dem Stuhl herunterspringt, da der Bleistift sich nicht in ihrer Reichweite auf dem Stuhl befindet. Sie stubst den Bleistift an `Click´ und Belohnung.

Wenn nun der Bleistift so über den Stuhl gehalten wird, dass die Katze ihn nur erreicht, wenn sie wieder raufspringt, werden viele Katzen das sehr schnell begreifen und wieder auf den Stuhl springen. `Click´ und Belohnung und schon sind wir in der zweiten Übung ein Stück weiter und über kurz oder lang hat die Katze gelernt, daß sie mit "auf den Stuhl springen" uns manipulieren kann, ihr ein `Click´ und ein Leckerlie zu schenken.

Wer eine Weile mit seinen Katzen clickert, wird erleben, dass sie recht einfallsreich werden, um das ersehnte `Click´ zu bekommen und Handlungen anbieten, aus denen schöne Übungen werden können, bis dahin, dass der Katze kleine Kunststücke beigebracht werden können.

Was ist der Sinn?

Nun, zum einen Beschäftigung und Anregung für die Katze und die meisten Katzen clickern mit Begeisterung, zum anderen kann man auf diesem schönen Wege seine Katze natürlich auch "erziehen".

Hierfür möchte ich noch ein Beispiel geben: Es stört den Katzenhalter z.B. daß seine Katze ihm während der Futterzubereitung ständig zwischen den Füßen herumläuft oder gar auf die Arbeitsplatte oder den Tisch springt. Das kann ich nun einerseits mit Verbot belegen und so die Katze dazu bringen, das unerwünschte Verhalten zu lassen. Wie erfolgreich das ist, hängt von Geschick, Geduld und Konsequenz des Katzenhalters, sowie vom Charakter der Katze ab.

Lucina´s KassioPPeia und Lucina´s Kallewirsch

Ich könnte aber auch, statt ein unerwünschtes Verhalten einfach nur zu verbieten, ein erwünschtes Verhalten als Ersatz "anclickern", indem ich z.B. die Katze auf einen Küchenstuhl clicker, d.h. wenn sie z.B. grade auf dem Weg zum Tisch auf den Stuhl springt "Click" und Belohnung. Springt sie danach auf den Tisch, clicker ich sie in bereits geübter Weise wieder auf den Stuhl und das solange, bis sie dort sitzen bleibt. Erst dann fahre ich mit der Futterzubereitung fort. Es wird in der Realität wahrscheinlich nicht ganz so schnell und reibungslos ablaufen, wie es jetzt hier klingt, zumindest nicht bei jeder Katze, aber es ist möglich, letztendlich erfolgsversprechender und auch viel angenehmer für beide Seiten als die Verbote.

Insgesamt sollte beim Clickern immer beachtet werden, dass man es langsam macht (wobei Katzen da sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten des Lernens zeigen, also Katze genau beobachten und sich ihrer Geschwindigkeit anpassen), dass eine Übung erst komplett sitzen sollte, bevor man mit der nächsten anfängt und daß man nicht zu lange am Stück clickert (am Anfang reichen ein paar Minuten), eben insgesamt die Katze nicht überfordert und ihr damit das Clickern verleidet.

Ein weiterer Punkt zum Thema "Die Katze als Beutetierjäger" betrifft die Fütterung an sich. Es ist nicht besonders katzengerecht, dass ein denaturiertes Einheitsfutter permanent zur Verfügung steht, wie das oft mit Trockenfutter gehandhabt wird. Fressen wird damit für die Katze totlangweilig und sie entbehrt das Erlebnis des Beutetiers.

Bekommt die Katze zumindest ab und zu Fleischbrocken oder auch ganze Beutetiere (z.B. Eintagsküken oder auch ein Hühnerflügel kann als Beutetier-Ersatz durchgehen), ist das nicht nur sehr vorteilhaft für die Zahngesundheit (und allgemeine Gesundheit) der Katze, sondern oft wird hier auch ein Teil des Beutetier-Triebs abreagiert, nämlich das Beutetier bzw. der Fleischbrocken, Hühnerflügel oder ganz bevorzugt das Küken, wird erst ein paar mal in die Luft geworfen, angekickt, nochmal gejagt und dann erst gefressen. Daran muss die Katze aber langsam gewöhnt werden. Dazu mehr unter Katzenernährung.

Andere Katzen:

In unserer Kurzzusammenfassung über das Wesen der Katze hieß es, die Katze teilt sich das Revier "teilweise" mit anderen Katzen. Katzen sind allgemein als Einzelgänger verschrien. Das stimmt so nicht.

Katzen sind sehr wohl kommunikativ gegenüber anderen Katzen, teilen sich eben "teilweise" auch das Revier mit anderen, es gibt regelrechte Katzenversammlungen (deren Sinn man bisher noch nicht wirklich herausgefunden hat) und es gibt auch richtige Katzenfreundschaften.

Lucina´s Feysala und Feana Amrun

Gerade die Maine Coon ist eine sehr gesellige Katzenrasse, so daß es bei Wohnungshaltung für mich unabdingbar ist, Katzen nur zu zweit zu halten. Was immer wir auch tun, eine andere Katze können wir doch nicht wirklich ersetzen und die Wohungskatze kann ohne eine zweite Katze nie ihre typischen kätzischen interaktiven Verhaltensweisen ausleben.


Lucina´s Feysala und Feana Amrun

Es gibt zwar auch Katzen, die allein gehalten werden möchten und im Zusammenleben mit anderen Katzen sehr schwierig sind oder ihren Unmut durch Unsauberkeit etc. deutlich machen. Diese Katzen sind aber eher in der Minderzahl. In den meisten Fällen werden Wohnungskatzen glücklicher, wenn sie eine andere Katze zur Gesellschaft haben und sehr oft entstehen dann wirklich gute Katzenfreundschaften.

Je größer eine Gruppe von Katzen in einem Haushalt wird, umso schwieriger wird dann auch das Zusammenleben. Dies steht und fällt allerdings auch mit dem Platzangebot und natürlich mit dem Charakter der Katzen.

Die Beispiele, in denen eine größere Gruppe von Katzen friedlich zusammenlebt, sind keine Einzelfälle. Es ist möglich, oft funktioniert es, oft aber auch nicht.

Auf jeden Fall erfordert es vom Katzenhalter sorgfältige Beobachtung, denn manchmal wird ein Tier in der Gruppe unterdrückt, ohne daß dies direkt auffällt.

Fortpflanzung:

Natur hin, Natur her. Das Thema Fortpflanzung sollte - sofern man nicht züchtet - durch frühzeitige Kastration der Katze bzw. des Katers beendet werden.

Das sich hartnäckig haltende Märchen, eine Katze solle einmal Babies gehabt haben, bevor sie kastriert wird, entbehrt jeglicher Grundlage. Das Gleiche gilt für die immer noch oft zu hörende Meinung, eine Katze solle einmal gerollt haben, bevor man sie kastriert.

Lucina´s Fêza Lairfey

Was soll hierfür der Grund sein? Man läßt die Hormone erst mal alle schön in Wallung kommen, um dann per OP den großen Cut zu machen. Was soll das der Katze bringen außer Streß?

Viel besser ist es, möglichst früh zu kastrieren, bevor die Geschlechtsreife überhaupt erreicht wird. Und eine freilaufende Katze oder noch schlimmer einen freilaufenden Kater nicht sehr frühzeitig zu kastrieren, ist absolut verantwortungslos und jedem im Tierschutz bewanderten oder aktiv tätigen Menschen sträuben sich die Nackenhaare, wenn er so etwas hört. Glücklicherweise gibt es in einigen Städten Deutschlands mittlerweile Bestimmungen, dass dies auch nicht mehr erlaubt ist, um den Massen an streunenden Katzen, die dann häufig in völlig überfüllten Tierheimen landen, Einhalt zu gebieten

Auch eine in der Wohnung lebende Katze sollte umbedingt kastriert werden, denn immer wieder zu rollen, ohne gedeckt zu werden, ist eine Quälerei für die Katze (und nervtötend für den Katzenhalter), es kann sogar Gebährmutterentzündung auslösen und beim Kater besteht darüber hinaus noch die Gefahr, dass er anfängt, zu markieren. Sind Katze oder Kater kastriert, ist das Thema erledigt.


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