
"Der Tod gehört zum Leben" sehe ich tagtäglich als Bildschirmschoner auf der Arbeit über den Screen kreisen. Ich arbeite in einem Bestattungsinstitut. Von daher ist mir die Auseinandersetzung mit dem Tod durchaus vertraut. Allerdings eher der Teil nach dem Tod…
Was es bedeutet, ein Lebewesen vorher zu begleiten und tagelang um jedes bisschen Lebenskraft zur ringen, nie zu wissen, ob man es schafft, ständig mit sich selbst zu kämpfen, um nicht die Hoffnung zu verlieren…das habe ich jetzt erst erfahren.
Ich habe zwar im A-Wurf auch schon mal ein Kitten verloren, aber um dieses habe ich nicht gekämpft. Es erschien augenscheinlich gesund, nahm gut zu, lag aber am 4. Tag plötzlich tot in der Wurfkiste. Auch das war schrecklich, aber nicht zu vergleichen damit, was ich im Kampf mit dem kleinen Warrior jetzt erlebt habe.
Warrior kam an einem Montagabend im November 2007 um 20:30 h mit 87 g auf die Welt. Eigentlich ein Gewicht, mit dem er es gut hätte schaffen können, obgleich er damit nur etwas mehr als die Hälfte seiner vier Geschwister wog. Während seine Geschwister kurz nach der Geburt an der mütterlichen Milchbar hingen, krabbelte Warrior zwar immer wieder in die Richtung, kam aber selten an. Ständig versuchte ich ihn anzulegen, aber es gelang nicht. Drei Stunden vergingen mit fast permanenten Versuchen ihm eine Zitze ins Mäulchen zu schieben. Vergebens !
Außer dass er so klein war, war nichts zu finden, warum er nicht trinken konnte. Er krabbelte, er quakte, sein Atem rasselte nicht, der Nabel schien okay…
Um 23:30 h hatte Warrior 4 g verloren und ich entschied mich, ihm ein wenig
Ziegenmilch zu geben, damit er nicht die Kraft verliert. Danach versuchte ich ihn
wieder anzulegen und diesmal klappte es. Allerdings nur, solange ich ihn, sozusagen
gewaltsam an der Zitze festhielt. Sobald ich ihn los ließ, ließ auch er
die Zitze los. Ob und wie viel er dabei tatsächlich trank, wusste ich
natürlich auch nicht. Immerhin machte er auch einen Milchtritt und meine
Hoffnung wuchs.
Zu diesem Zeitpunkt bekam er seinen Namen Warrior…ein kleiner tapferer
Krieger.
So verging die Montagnacht mit immer wieder anlegen und dem Hoffen, dass er auch wirklich trinkt. Heylee kümmerte sich gut um ihn, hatte ihn ständig zwischen ihren Vorderpfoten und putzte ihn viel. Das machte mir Hoffnung und nahm mir zunächst die Arbeit ab, mich um seine Verdauung zu kümmern. Diese schien ebenfalls okay zu sein.
Um 6 Uhr am Dienstagmorgen wog er nach wie vor 83 g. Keine Zunahme, aber wenigstens auch keine Abnahme. Es wurde immer schwerer, ihn anzulegen, deswegen gab ich ihm noch mal ein bisschen Ziegenmilch.
Zu diesem Zeitpunkt merkte ich dann auch langsam, in was für einen seltsamen Zustand ich selbst geriet. Zum einen konnte ich mich über den Wurf überhaupt nicht mehr freuen und musste mich schon zur Besinnung rufen, daran zu denken, auch die anderen Babies zur Kontrolle zu wiegen (Gott sei Dank hatten alle zugenommen) und zum anderen war ich kaum noch in der Lage, irgend etwas anderes zu tun, als den Kleinen mit Argusaugen zu bewachen, immer wieder zu versuchen, ihn anzulegen und mich zwischendurch zu zwingen, ihn in Ruhe zu lassen, damit er auch mal schlafen kann.
Es wurde schwer, all die anderen Dinge zu tun, die getan werden mussten…mich ums Futter der anderen Katzen kümmern (da ich roh füttere, ist es ja mit Dose aufmachen dabei nicht getan), zu sehen, dass Heylee genug fraß, zu prüfen, ob sie regelmäßig Kot absetzt und dafür zu sorgen, dass sie sich zwischendurch bewegt, die Einlage in der Wurfkiste zu wechseln, Decken zu waschen, Katzenklos sauber zu machen und irgendwie mich selbst auch noch ein bisschen zu versorgen. Zwischendrin immer wieder zur Wurfkiste, jedes Mal mit angehaltenem Atem, ob ich jetzt ein totes Kitten vorfinde.
Um 14 Uhr wog ich Warrior noch mal…unverändert 83 g. Noch mal Ziegenmilch, diesmal mit zwei Tropfen Catosal zur Appetitanregung. Erneute Versuche ihn anzulegen, aber er war mittlerweile so schwach, dass er, trotzdem ich ihn festhielt nur noch ein paar Sekunden nuckelte. Ich betete, dass er wenigstens ein paar Tröpfchen der so wichtigen Kolostralmilch trank. Der Tag verging mit den unzähligen Versuchen, ihn anzulegen und vielen Emails und Telefonaten mit befreundeten Züchtern, was am besten zu tun sei.
Gegen Abend wurde klar, dass es ohne Füttern nicht mehr geht. Ich stieg von der Ziegenmilch auf Aufzuchtsmilch um und entschied mich in Absprache mit meiner Tierärztin, ihm Antibiotika zu geben. Nun hieß es, alle zwei Stunden füttern. Einen guten halben Milliliter bekam ich anfangs tröpfchenweise pro Mahlzeit in ihn hinein. Zuviel zum Sterben und zu wenig, um zu leben. Er verlor zunehmend an Kraft und ich verlor zunehmend die Hoffnung.
Zwischendurch fragte ich mich immer wieder, ob ich den kleinen Kerl mit der Fütterei nicht quälte, indem ich ihn damit am Leben hielt, das für ihn bestimmt schwer und schmerzvoll war. Ja, es gab Momente, in denen ich dachte, es wäre besser, er würde jetzt sterben, damit die Quälerei ein Ende hat. Ich versuchte, die Gedanken zu verscheuchen, mir und ihm ein "Wir schaffen das!" zuzurufen, mir vorzustellen, wie es in ein paar Wochen wäre, wenn er durchkommt und als kleines gesundes Kitten mein Wohnzimmer auf links drehen würde. Das hielt für 5 Minuten an…dann wieder Zweifel, Hoffnungslosigkeit…mir wieder einen Ruck geben, wieder hoffen, beten, ihn anflehen, nicht aufzugeben…
Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch…so gut wie kein Schlaf, alle zwei Stunden füttern. Ich hatte nur wenig Hoffnung, dass er den Morgen erlebt. Seine Kräfte schwanden immer mehr, er bewegte sich nur noch, wenn man ihn anstubste. Ich hatte das Gefühl, ich sehe ihm beim langsamen Sterben zu und fand das unendlich grausam. Die immer wiederkehrende Frage, ob ich sein Leiden nicht nur verlängere. Andersherum konnte und wollte ich auch nicht dabei zusehen, wie er verhungert und ein kleines Fünkchen Hoffnung gab es ja auch noch. Heylee kümmerte sich immer noch um ihn, was die Mütter ja meist nicht mehr machen, wenn die Babies keine Chance haben. Und trotzdem…ich gestehe es…es gab die Momente, in denen ich Heylee ansah, an ihrem Instinkt zweifelte und dachte, es wäre vielleicht besser, sie würde sich auf ihn legen. Im Gegensatz zu mir, wäre sie ja in der Lage, ihm den Gnadenstoß zu geben, aber sie schien entweder mehr Hoffnung zu haben, als ich oder ihr fehlte eben dieser Instinkt. Auch der Gedanke, ihn zum Einschläfern zu bringen, war da. Aber wenn er doch eine Chance hat? Muss ich nicht alles versuchen? Solange er noch die Milch schluckt, die ich ihm ins Mäulchen träufele, will er doch noch leben. Oder doch nicht?
In den Telefonaten und Emails mit befreundeten Züchtern geriet ich teilweise in eine halbe Verlogenheit. Ich konnte die Sätze: "Du darfst die Hoffnung nicht verlieren." und "Du darfst gar nicht denken, dass er es nicht schafft." nicht mehr hören und zeigte meine Hoffnungslosigkeit nicht. Ja, mir war klar, dass der Kleine meine Hoffnung und meine Zuversicht brauchte, aber ich HATTE fast keine mehr. Es war nur noch ein verzweifeltes Klammern an einen Strohhalm, dass das Antibiotika noch greift.
In den Morgenstunden schlief ich ein bisschen und war ehrlich gesagt erstaunt, dass Warrior noch am Leben war, als ich aufwachte. Er hatte es zum dritten Tag geschafft.
Die Gewichtskontrolle zeigte wieder 83 g…er hatte kein einziges Gramm zugenommen, seit er auf der Welt war. Aber er war noch am Leben! Ich gab mir wieder einen Ruck und dachte. "Mensch, wenn er so kämpft, solltest du das auch tun." Wieder Milch anrühren, füttern, massieren, warten, hoffen, beten, ihm und mir Mut zusprechen…
Dann geriet ich in Panik, da dies mein letzter freier Tag war und ich
normalerweise am nächsten Tag 9 Stunden auf der Arbeit gewesen wäre.
Einen weiteren Tag Urlaub zu bekommen, hielt ich für unproblematisch, aber die
darauf folgenden zwei Tage schienen unmöglich, da ich an diesen alleine
für den Dienst eingeteilt war. Das wäre das Todesurteil für den
Kleinen…Zwischendurch immer wieder die Gedanken: "Er schafft es bestimmt
sowieso nicht mehr so lange. Aber wenn doch?"
Irgendwann kam eine erlösende Email von einer lieben Kollegin: "Wenn es bei
Dir immer noch um Leben und Tod geht, bin ich bereit, den Freitags- und
Samstagsdienst für dich zu übernehmen". Ich heulte erst mal los. Ja, es
ging um Leben und Tod!
Ich sammelte noch mal alle Kräfte, um Zuversicht zu bekommen. Es gab die Chance, bis Sonntag Zeit zu haben, den kleinen Kämpfer wieder auf den Damm zu bekommen. Alle zwei Stunden füttern. Mal nahm er mir einen halben Milliliter ab, manchmal fast einen Ganzen. Aber auch das war ja viel zu wenig.
Die Atmosphäre hier war wie im Ausnahmezustand. Ich hatte das Gefühl, sie greift auch auf die anderen Katzen über. Irgendwie roch und schmeckte alles nach Leiden und Tod. Ich rief mich zur Besinnung…da lagen schließlich auch noch vier andere gesunde dicke Kitten in der Wurfkiste. Viermal neues Leben! Wundervolle Babies! Das Gefühl kam bei mir nicht an.
Ich war am Mittwoch abgesehen vom Füttern wie gelähmt. Konnte nichts mehr tun, starrte Löcher in die Luft. Als mir das nach Stunden bewusst wurde, rief ich mich zur Ordnung. "Tu was, irgendetwas !" Das endete erst mal darin, dass ich das Bad putzte…
Wieder Füttern, Gewichtskontrolle…keine Zunahme, keine Abnahme. Das Rückgrat des Kleinen stach schon hervor. Er war so jämmerlich unterernährt. Zusätzlich fing nun sein Atem an, zu knacken - Flüssigkeit in der Lunge. Entweder hatte er sich beim Füttern verschluckt oder er hatte sowieso schon Fruchtwasser geschluckt und man hörte es jetzt erst. Da er sowieso schon Antibiotika bekam, hoffte ich, dass diese ihn vor einer Lungenentzündung schützen würden.
Diskussionen mit einer befreundeten Züchterin über das Ernähren mit einer Magensonde. Viele Vorteile…die Gefahr des Verschluckens entfällt, es kann die richtige Menge Milch gegeben werden… aber ja nun wirklich eine Zwangsernährung. Wo soll man aufhören, einzugreifen?
Ich war trotzdem versucht…wobei mir die Vorstellung, diesem Winzling einen Schlauch durch die Kehle zu legen, absolute Panik machte.
Mittwochabend: 82 g. Das eine Gramm Abnahme machte mir weniger Angst, als die fehlende Zunahme, die klar bescheinigte, dass meine ganze Fütterei nicht viel mehr brachte, als ihn recht und schlecht am Leben zu erhalten. Sollte ich es jetzt nicht doch endlich lassen? Ich konnte es nicht! Ich konnte nicht zusehen, wie er verhungert…obwohl ich das Gefühl hatte, dass ich genau das die ganze Zeit tat.
"Wenn die Kraft zu Ende geht, ist Erlösung Gnade" …wie oft hatte ich das auf der Arbeit schon als Vers über Traueranzeigen geschrieben…zum ersten Mal erfasste ich wirklich, was dieser Spruch meint.
Die Nacht begann. Ich konnte nicht schlafen, starrte wieder Löcher in die
Luft. Als ich dann doch mal kurz zwischen dem alle zwei Stunden klingelndem Wecker
einschlief, weckte mich noch vor dem Wecker ein klägliches Wimmern. Warrior
lag abseits von Geschwistern und Mama. Ich war wieder versucht, ihn nicht mehr zu
füttern, denn das war eigentlich deutlich. Ich legte ihn erst mal unter
Heylees Schenkel, da war es wenigstens schön warm, wobei die Zimmertemperatur
ohnehin recht hoch war und legte mich wieder hin. Bis zum Füttern hatte ich
noch eine halbe Stunde. Ich grübelte, ob ich ihn füttern sollte oder
jetzt doch einfach in Ruhe sterben lasse…
Mein Gott, ich kann ihn doch nicht einfach verhungern lassen!
Der Wecker klingelte, ich stand auf und fütterte ihn.
Donnerstag morgen 6 Uhr. Ich konnte es kaum glauben, Warrior lebte immer noch. Ich gab ihm sein Antibiotikum, fütterte ihn…er nahm mir einen ganzen Milliliter ab.
Noch einmal erlebte ich einen Ruck in Richtung Hoffnung. Dieser kleine Kerl kämpfte so zäh um sein Leben. Ich plante die Anrufe, um mir eine Magensonde zu organisieren. Wenn er so kämpfte, wollte ich auch alles versuchen. Eine kleine Mütze Schlaf noch…
8 Uhr: Anruf auf der Arbeit. Es war ja bisher nur mit Kollegen geklärt,
dass ich frei brauche. Zu früh…muss nachher noch mal anrufen. Nachdem
ich die anderen Katzen gefüttert hatte, kehrte ich zurück zur Wurfkiste.
Heylee säugte ihre Babies. Warrior war nicht zu sehen.Ich
erstarrte…
Hatte sie ihn doch endlich erlöst?
Ich griff unter sie und zog den kleinen toten Kerl hervor.
Endlich konnte ich die Tränen fließen lassen. Enttäuschung, Schmerz und gleichzeitig auch Befreiung. Ich brauchte mich nicht mehr zusammen zu reißen, brauche nicht mehr kämpfen, dass ich die Hoffnung nicht verliere, brauche es nicht mehr aushalten, dass der kleine Krieger vielleicht mit unendlichen Schmerzen in der Wurfkiste liegt und mich mit der Entscheidung quälen, ob man ihn nicht besser erlösen solle.
Vermutlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass so etwas passiert. Wie ich das nächste Mal entscheide, ob ich da etwas anders mache, weiß ich nicht. Auch das gehört zur Zucht…und leider gar nicht mal so selten. Wie oft ich mich in diesen Tagen gefragt habe, warum ich mir das alles antue, kann sich sicher jeder vorstellen. Ja, natürlich, da waren noch vier schöne purzelmuntere gesunde Kitten…aber von denen habe ich erst mal gar nichts mitbekommen. Ich war vier Tage lang komplett auf dieses eine kleine Leben fokussiert und ich bin mir sicher, dass das beim nächsten Mal nicht anders ist.
Die Rate der sterbenden Kitten ist bei Züchtern wesentlich niedriger, als in der Natur. Trotzdem wird es das immer wieder auch bei Züchtern geben. Egal, was sie tun.
Der Natur ist das egal. Deswegen bekommt die Katze ja mehrere Kitten, weil einige es eben nicht schaffen. Natur halt…ja klar…das kann ich mit dem Verstand akzeptieren, aber niemals mit dem Herzen !
Einige
Jahre, nach dem dies passiert ist, fand ich dieses Gedicht im Internet.
Es hat mich sehr berührt.
(Deutsche Übersetzung weiter unten)
I
love my little kitty, he makes my house a home
He's always like my best friend, so I never feel alone
He makes me smile, he makes me laugh
He fills my heart with love.
Did some breeder breed him?
Or was he sent from up above?
I've
never been a breeder, never seen life through their eyes
I hold my little kitty and just sit and criticise.
I've never known their anguish and I've never felt their pain
The caring of their charges through snow or wind or rain.
I've
never sat the whole night through waiting for babies to be born,
The stress and trepidation when they're still not here at dawn.
I've never felt the heartache of tiny lives within my hands,
Those darling little babies, who weigh only 60 grams.
Should
you do "that" instead of "this" or "this" instead of "that"
Alone you fight and hope one day he'll grow to be a cat
And bring joy to "SOMEONE SOMEWHERE" and make their house a home
You know it's up to you and you fight this fight alone.
Formula
bottles, heating pads you just have to get this right,
Two hourly feeds for this little mite,through the day and through the night.
An uphill struggle you well know, to win this daunting fight
To save this little baby, but god willing you just might.
Day
one he's in there fighting, you say a silent prayer,
Days two and three he's doing well with lots of love and care
Days four and five he's still alive,your hopes soar to the heaven
Day six he starts to slip away, dying in your hands day seven.
You
take this little angel and you bury him alone.
With aching heart and burning tears you heave a heavy groan,
You ask yourself "WHY DO THIS? WHY SUFFER ALL THIS PAIN?"
But to see the joy your kittens bring it's simple to explain.
So
when you think of breeders and label them with "GREED"
Think of all the things that they endure to fill another's need.
For when you buy your kitten and with precious money part,
You only pay with hard earned cash whilst they pay with their heart.
(Für den Verfasser gibt es im Internet unterschiedliche Angaben, von daher: Verfasser unbekannt)

Deutsche
Übersetzung
(klingt leider nicht so schön, wie im Englischen, da es sich nun
natürlich nicht mehr reimt):
Ich
liebe mein kleines Kätzchen, es macht mein Haus zu einem Heim
Es ist immer wie mein bester Freund und ich fühle mich niemals allein.
Es bringt mich zum Lächeln, es bringt mich zum Lachen,
es füllt mein Herz mit Liebe.
Hat ein Züchter es gezüchtet?
Oder wurde es vom Himmel geschickt?
Ich
bin nie ein Züchter gewesen, habe nie das Leben durch ihre Augen
gesehen.
Ich halte mein Kätzchen im Arm, sitz da und kritisiere.
Ich hab niemals ihre Angst kennen gelernt und niemals ihren Schmerz
gefühlt.
Oder die Sorgen um die Kosten im Sturm und Schnee und Regen.
Ich
habe niemals die ganze Nacht hindurch auf Babies gewartet, die geboren werden
sollten.
Hab niemals den Stress und die Beklemmung gespürt, wenn sie am Morgen immer
noch nicht geboren waren.
Ich habe niemals den Herzschmerz gefühlt, den die winzigen Leben in meiner
Hand auslösen,
diese süßen kleinen Babies, die nur 60 Gramm wiegen.
Solltest
Du "dieses" tun anstatt "jenes" oder eher "jenes" anstatt "diesem"?
Du kämpfst alleine und hoffst, dass eines Tages eine richtige Katze
drauß geworden ist,
die "IRGENDWEM IRGENDWO" Freude schenkt und dessen Haus zu einem Heim macht.
Du weißt, es liegt an Dir und Du kämpfst diesen Kampf allein.
Ersatzmilch-Flaschen,
Heizkissen, du musst es richtig machen,
alle zwei Stunden füttern, den kleinen Zwerg, über den Tag und durch die
Nacht.
Ein harter Kampf, den Du gut kennst, eine beängstigende Aufgabe, die es zu
meistern gilt,
um dieses Baby zu retten, so Gott will und so gut Du es kannst.
Am
ersten Tag kämpft es, du sprichst ein stilles Gebet.
Am zweiten und dritten Tag geht's ihm ganz gut, versorgt mit viel Liebe und
Fürsorge.
Am vierten und fünften Tag lebt es immer noch und Deine Hoffnung wächst
in den Himmel.
Am Tag Sechs beginnt es Dir zu entgleiten, um am Tag Sieben in Deinen Händen
zu sterben.
Du
nimmst diesen kleinen Engel und Du begräbst ihn still und allein,
mit schmerzendem Herzen und brennenden Tränen und einem mächtigen
Seufzen.
Du fragst Dich "WARUM TU ICH DAS? WOZU ALL DIESER SCHMERZ?"
Aber wenn Du siehst, welche Freude Deine Kitten machen, ist es einfach, es zu
erklären.
Also,
wenn Du an Züchter denkst und ihnen "HABGIER" unterstellst,
denke an all das, was sie aushalten, um die Wünsche anderer zu
erfüllen.
Denn, wenn Du ein Kitten kaufst und das mit teurem Geld bezahlst,
hast Du zwar hart Verdientes hergegeben,
der Züchter aber bezahlt mit seinem Herzen.

Nachtrag:
Ich mag eine Zeile in diesem Gedicht nicht...
Da steht:
"...was sie (die Züchter) aushalten, um die Wünsche anderer zu
erfüllen..."
Mal ehrlich...neee! Ich züchte nicht, weil ich die Wünsche anderer
erfüllen möchte. Das wäre schlichtweg gelogen!
So edel, hilfreich und gut bin ich nicht und wenn ich es wäre, würde ich
das eher in karitativen Dingen unterbringen, anstatt Katzen zu züchten...ich
züchte, weil ich züchten möchte, weil ich Spaß mit den Kitten
habe, weil ich diese Rasse liebe, weil...was auch immer!
Was aber absolut stimmt in dem Gedicht:
"Du fragst Dich "WARUM TU ICH DAS? WOZU ALL DIESER SCHMERZ?"
Aber wenn Du siehst, welche Freude Deine Kitten machen, ist es einfach, es zu
erklären."
Ja! Genau!
Wenn ich an all die Emails, Anrufe etc. denke, die ich von den Besitzern meiner
Nachzuchten bekomme...ja, tatsächlich schenke "ich" mit diesen Katzen
Glück!
Und DAS macht mich wirklich glücklich!
Und einmal mehr besiegt die Liebe die Trauer... ;-)
